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Teil 1: Stufen beim Erlernen einer Kriegskunst
Eine Kriegskunst wird in vier Schritten erlernt:
- GYO
- SHUGYO
- JUTSU
- DO
- GYO: wörtliche Übersetzung = Tun, Gehen
Dieses Stadium beginnt, wenn jemand z.B. das erste mal Aikido trainiert. Er hat keinerlei Basis, aber er ist auch nicht durch Wissen befangen. Er hat sozusagen einen leeren Kopf. Zu diesem Zeitpunkt beginnt man mit kleinen Lernmustern.
Es ist dabei am besten, wenig zu reden und viel zu trainieren, viel zu arbeiten. Es ist nicht wünschenswert und außerdem gefährlich, in diesem Stadium Techniken zu kritisieren. Wenn man das ganze zu Erlernende mit einer Orange vergleicht, beginnt man jetzt, an der äußersten Schale herumzukratzen.
Oder anders ausgedrückt, man entspricht einem Kind, das laufen lernt. Es handelt sich dabei um die wichtigste Zeit des Anfängers. Im Stadium Gyo ist sich der Schüler seiner selbst sehr sicher, und es endet, wenn derjenige technisch fast alles weiß.
- SHUGYO:
(Vorsichtig ausgedrückt: In der Nähe des 3.Dan angesiedelt)
Beginn des richtigen Trainings. Der Trainierende ist immer noch sehr in technische Probleme verstrickt. Der Enthusiasmus der Anfangsjahre hat stark nachgelassen. Das Bemühen muß hier aber verdoppelt werden.
Es entsteht ein großer innerer Konflikt. Man kann ihn als körperliches "Koan" bezeichnen.
(Koan: Eine mit logischen Mitteln nicht zu lösende Problemfrage.)
Die Selbstsicherheit, die der Schüler im Stadium Gyo spürte, hat großen Zweifeln Platz gemacht. Alle inneren und technischen Unreinheiten sollen im Stadium Shugyo herausgekocht werden. Man ist dabei sehr schwach und angreifbar. Jetzt darf man beginnen, Fragen zu stellen; nicht nur verbal, sondern hauptsächlich mit dem Körper.
- JUTSU:
(Ist, vorsichtig geschätzt, um den 6.Dan anzusiedeln)
Man weiß da sehr vieles, ist aber noch nicht frei. Man wird durch die eigenen Gedanken im Fortschritt zurückgehalten. Der Schüler hat erreicht, daß die Technik in seinem Körper ist. (Wie bei einem Pianisten, der beim Klavierspielen noch Gespräche führen kann).
In seinem Leben sind aber noch viele Fehler.
- DO:
Der Geist ist frei. ("MUSHIN" = freier, leerer Geist).
Im Stadium Do ist der Trainierende wieder so frei wie der Anfänger,
aber seine Freiheit ist gerichtet, er hat ein Ziel.
(Wenn man in seinem ganzen Leben drei Menschen trifft, die das Stadium Do erreicht haben, kann man sich glücklich schätzen.)
Ein Meister kann seine Schüler nur bis zur Stufe "Jutsu" bringen. "DO" ist eine ureigene, ganz private Sache, bei der er nicht mehr helfen kann.
Generell kann man sagen, daß man alle Stadien "Durchleben" muß, nicht nur im Training durchlaufen.
Graduierungen:
In alter Zeit gab es nur vier, auf sehr hohem Niveau stehende Stufen. Kyu- und Dangrade bewegen sich in Anfangsregionen des Könnens, die z.B. auf dem Schlachtfeld völlig sinnlos wären und keinerlei Vorteil gebracht hätten. Diese Grade wurden eingeführt, um dem Schüler eine kleine Befriedigung zu schenken, sozusagen als Belohnung für jahrelanges Training.
Der Schüler sollte aber seine Position vergessen. Alle Fragen, die er stellen könnte, die ihn beschäftigen, liegen nur in der Peripherie des Aikido.
Darstellung des Aikido als Spirale, die dem Mittelpunkt zustrebt:
| Fragen: |
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Klassische Trainingseinteilung:
Alle Zeitangaben sind relativ. Dieses System ist nur auf ideale Situationen anwendbar:
kleine Schule, großer Meister!
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SHU: Dauer ca. 20 Jahre. Man sollte mit einem einzigen Lehrer lernen, ohne Fragen zu stellen.
- HA: Dauer ca. 20 Jahre. Der Lehrer schickt den Schüler hinaus, um ihn lernen zu lassen. (vergleichbar mit den Wanderjahren der Handwerksgesellen im europ. Mittelalter)
- RI: Bildung einer eigenen Schule und Einsetzen einer eigenen Entwicklung möglich. (belegbar am Beispiel O'Senseis - Er trat in dieses Stadium mit 55 Jahren ein)
Um nochmals zu wiederholen, die Zeitangaben sind relativ. Nach 15 Jahren Training kann ein Schüler immer noch ganz am Anfang stehen. Manche Meister fanden unter den 15 Talentiertesten ihrer Schülerschar nur einen geeigneten Nachfolger, wenn überhaupt.
Man kann einen Schüler im Stadium SHUGYO mit der Trainingsleitung betrauen. Das ist völlig richtig und für seine Weiterentwicklung notwendig.
Wichtig ist nur: Daß Shugyosha keinen großen Kopf bekommen!
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